Donnerstag, 4. April 2013

Unterm Rad . Hermann Hesse

Ich mag Hesse!

Seine auf's Wesentliche reduzierte Saetze vermitteln Themendichte. Kein Wort ist umsonst. Klar und wie eine Schneeflocke unvermutete Schoenheit in sich tragend beschreibt er Landschaften, Menschen, Situationen.
Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie sehr ich es genossen habe, "Das Glasperlenspiel" zu lesen. Eine Symphonie von Worten ...

Obwohl ich schon sagen muss, dass die unausweichliche Dringlichkeit und Konsequenz der Helden nicht unbedingt so empfunden werden muss. Als nur Miterleber und nicht Buchheld stehe ich daneben, bin Beobachter und bin teilweise verwundert, dass die Situation von Hans so viel Schlimmer empfunden wird. Fuer mich stellt es ich manchmal so dar, als macht es ihm nichts aus, dass er so intensiv Lernen muss. Die Worte des Aufschreis kommen ja meist vom Schreiber, vom Beurteilendem. nicht von Hans ... oder habe ich so schnell, fluechtig gelesen?

Natuerlich kann ich die Kritik verstehen. Extreme sind nie gut. Doch ich hatte nicht den Eindruck als ob sich hans waehren will, es ihm unangenehm ist, so zu lernen.Sicher ist es schwierig, immer das richtige Mass zu finden, dass dennoch zu hohen Leistungen, zum Erfolg fuehren. Nicht nur Kreativitaet ist die Loesung fuer solch einen Weg. Nicht nur Genies sind wichtig ...

Jetzt bin ich aber froh, dass ich keineswegs eine gesellschaftliche Diskussion anfangen oder vor Leherkollegen bestehen muss ... puhh ... einfach lesen, leben und ein wenig angeregt nachdenken.

Unterwelt . Don Delillo

Ein Buch fuer die verlassene Insel ...
Jeder kennt die Frage: "Was wuerdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?" ...
Dieses Buch ist definitv ein gute Entscheidung beim Kofferpacken.

Vielseitig, tiefsinnig und mannigfaltig in Menschenbildern bietet es immer wieder Momente des Besinnens, Verweilens, Nachdenken ... Nachdenken ueber sich selbst, sein eigenes Leben und das im Allgemeinem. Warum ist es nicht moeglich, soziales zu tun ohne kaputt zu gehen? Nur abseits streift mich der Gedanke, die Erinnerung, der Schmerz, das Bewusstsein um Verlust. um so staerker als es mit persoenlichen Schicksalen verbunden ist - besonders dem einem eines Freundes. Schwer die Wahrheit zu akzeptieren.

Aber nicht Aufgeben bestimmt den Tenor des Buches ... eher Skurilitaet, irres Menschsein, verzweifelte Ich-Kaempfe um als Teil zu bestehen.

 Gedankensplitter beim Lesen:
- wobei ich seit einiger Zeit das Buch ruhend am Sofa liegen habe ...

S. 64
Im Leben versuche ich den Kontakt mit dieser Welt von Derben zu vermeiden. Hier im Buch halte ich es aus, in der Hoffnung, dass alles einen Sinn hat und weil es ja nur geschrieben ist.

S. 71
Sandkörnchenunendlichkeit der Dinge

S. 76
"Ich verlangsamte den Wagen zu einem freihändigen Kriechen und schmierte mir das Zeug auf eine Gesichtshälfte und einen Arm, die ausgesetzten Körperteile, denn ich war siebenundfünfzig Jahre alt und lernte immer noch, wie man vernünftig ist."

S. 107
In den Begegnungen der Menschen so vertraut einfach. In den Gedankenwelten sprunghaft, kompliziert und anregend.

S. 123
Zeitweise werden nur kurze Teile der Geschichte erzählt. So muss der geist schnell umschalten, um sich zu erinnern, was wie wann wo war dieser Held als ich das letzte Mal von ihm gelesen habe ...

Und zwischendrin gesellschafts-reflektierende Lebensweisheiten, denen ich glaube. Oder, weil sie so kurz eingeflochten sind, nicht genug Zeit habe, über sie nachzudenken, zu reflektieren.


S. 125
Eingeschobene Sätze wie Gedankensprünge, die mein Denken und manchmal auch meine Phantasie fordern.

Splitter, nach und nach eine Geschichte ergebend, deren Weg ewig in die vielfältige Unendlichkeit der neugierigen Unwissenheit führen.


S. 127
Wiederholungen ...
Wiederholungen nur leicht umformuliert
Was ist der Sinn dessen?
Wie alte Leute halt sind? Das Leben?
Manchmal stupide?
Gedanken wiederholend, wie das Gehirn es stets tut? Hin- und Herspringend, sich fragend, sich wiederholend ...

S. 128
Manchmal skurril.

Oder ist das nur die Vorbereitung der Unterwelt? Werde ich hier langsam auf die andere Welt - Unterwelt - eingestimmt?

Ein bisschen an Arno Schmidt erinnernd Jeder Satz / Absatz ein eigener Splitter einer Geschichte / gedankentreibend
zeitaufwendig, fesselnd, sich verselbständigend

S. 130
und plötzlich wieder "real" geschehende Dinge / Geschichte


S. 141
Wiederholungen bis hin zur nervtötenden Langeweile.
Nein, nicht nervtoetende Langeweile. Der Typ in der Geschichte ist nervtoetend. Deshalb dieser auf die Nerven gehende Schreibstil. Ich hab es kapiert. Jetzt kann es weiter gehen.

S. 142
Wiederholungen des Lebens . Immer und immer wieder . Tag aus . Tagein.
Immer laeuft der gleiche Film ab ... Aber sind unsere alltaegliche Wiederholungen so wichtig?

...

Also gut: Wir nehmen uns also zu wichtig.


S. 143
Ich könnte ja Dinge, die mich nicht interessieren überspringen. Doch das ist ein Buch. Da muss ich es erst lesen bevor ich weiss, ob es wichtig ist oder nicht. Da kann ich nicht einfach abschalten wie in einem Gespräch.

S. 149
Ist das ein und derselbe Mensch?
Erleben ... Fortkommen in der Geschichte ...
Beruhigung des Geistes

S. 212
Käsekuchen ... intensive Art einen Kuchen - das Leben, den Genuss zu beschreiben.


S. 215
Rolle der Großmächte ... und nun?

S. 216
Tolle Formulierungen
Valium-Sonnenuntergang ...
Unter den Klangwellen dröhnend dahinrasender Trucks ...

S. 217
Ich weiss, ich sollte die Kritik in den Müllbergen, in unserer Müllpolitik, unserem Müllverhalten sehen. Aber irgendwie habe ich keine Lust, immer alles, was kritisiert wird, schlecht zu finden. Und zum Thema Müll denke ich, dass Müllverbrennungen mit ausreichend installierten Filtern die Berge wesentlich reduzieren würden. Warum nicht stolz auf neue Entwicklungen sein? Auch die Erfindungen in der Müllindustrie sind wertvoll. Wie sähe es denn ohne sie aus? Garantiert schlimmer. Und ganz ohne Müll geht es nicht.

Ganz unabhängig von meiner Meinung bin ich ein Mensch, der versucht, so wenig wie möglich Müll zu produzieren, zu hinterlassen. Letztendlich frage ich mich, wie sinnvoll Kritiken ohne das Aufzeigen von Alternativen sind.


S. 218
"... machte Geschäfte mit menschlichem Verhalten" ... Das ist etwas anderes, wenn man Nutzen aus schlechten Verhaltensweisen zieht.


S. 222
"Nur ein Blick, der sich mit ihrem Blick trifft, und sie haben das Recht, dein Leben zu beenden." Warum das Recht? Aber leider ist es genauso in unserer Welt.


S. 228 - 248
Der Autor spielt dem Leser und seine Erinnerungsfähigkeit ...
Das ist doch eigentlich die Jugend von Cotter. Das Gleiche Leben, andere Menschen.
... Oder wie war es?

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Spiel mit Ungenauigkeiten
Nicht ganz klar, wer, über wen gerade erzählt (wird) == anregend

S. 270
Eintönigkeit, Angebot, Gefangensein im Ich-Wir, Traurigmachend, Bedauernd, volles Bewusstwerden-Wahrnehmen-Verstehen, Vorstellen-Koennen
... Lass ich das an mich ran?

S. 333 ff.
Muellberge, Ueberall Muell, Menschen, die im Muell nach essbarem suchen ... wahrlich Nichts Erfundenes

S. 363 ff.
Erstaunlich wie das so selbstverständliche Alltagsbild vom Toilettengang als Vergleich fuer menschliche "Unrat" auf philosophischer Ebene voller Ironie dienen kann.


S. 374 ff.
" ... abgehörte Telefonate ganz gewöhnlicher, anonymer Männer und Frauen. ... stundenlanges, sprachloses Hoeren ... je unsäglicher die ausgetrocknete Ödnis dieser Aufnahmen, desto wirkungsvoller, weil sie das sucht erzeuende Lockmittel lieferten; sich in der Zeit zu verlieren."
Ist das das Geheimnis des Erfolgs heutiger Talk- Reality-Shows?
Sind sich die Macher dieser Shows dieses Effektes bewusst? Sicher. Das ist es ja: Unterhalten, Ablenken, Abschalten der Masse.
Wie entziehen sie sich auf Dauer dem Wunsch des Entspannes am TV?


Meine Guete: jetzt ist es schon ein Jahr her, dass ich dieses Buch gelesen hab. Und ein Jahr fahre ich nun taeglich mit der S-Bahn zur Arbeit. Viel Zeit zum Lesen. Aber auch Musik hoeren und einfach zum Abspannen aus dem Fenster schauen.

Auf jeden Fall bleibt mir nun selbst weniger Zeit zum Reisen. So ist es besonders schoen, wenigstens Reiselektuere zu geniessen. Dabei gehe ich wenigstens mit den Buchhelden auf Abenteuer. Wie hier mit der jungen Frau, die mit dem Fahrrad durch Die USA faehrt. Besonders interessant wird es, als sie ihr Fahrrad auch noch mit nach Hawaii nehmen will und die hawaiianischen Inseln mit dem Bike erkundet.

Unterhaltsam ... gut zum Entspannen.

Einfache Hundeerziehung

Mit zunehmendem Alter von Panda wird er immer sonderbarer ... Also habe ich mich mehr und mehr fuer eine professionelle Hunderziehung interessiert, in der Hoffnung, das Ruder noch rumreissen zu koennen. Dabei kam mir das Buch "Einfache Hundeerziehung" recht gelegen. Die Beschreibungen sind leicht verstaendlich und leuchten ein. Diszipliniert empfiehlt das Buch einfache Schritte. Anfangs bin ich genauso konsequent. Bringe Panda neue Sacen bei. Gewoehne mir sogar eine deutsche Floskel fuer ein neues Lobkommando an: "Fein gemacht"! Doch irgendwie bin ich ein furchtbar unregelmaessiger Mensch. Mein Alltag sieht immer wieder anders aus, mein Lebensrhytmus hat nur eine Regelmaessigkeit: Immer wieder ist es anders. Also gebe ich nach und nach wieder auf. Vor allem als Panda eine Knieoperation ueber sich ergehen lassen muss, wird so und so alles ganz anders. Und so sitzen wir nun mit einem verwoehnten Hund auf dem verhaetscheltem Kissen und wundern uns ueberhaupt nicht mehr. Die Sonderheiten haben wir unserem Hund nicht abgewoehnen koennen. Aber daran ist das Buch nicht schuld. Das hatte ich zu zeitig zur Seite gelegt.

Sonntag, 31. Juli 2011

Mein Leben ohne Gestern . Lisa Genova

Mein Leben ohne Gestern . Lisa Genova Schnell hineingeschmissen in das unveraenderliche Dasein, dass Alice nicht wahr haben will und scheinbar schon Monate der schleichenden Ankuendigung erfolgreich ignoriert hat.

Ein wunderbarer Roman, der sensibel fuer einen menschlichen Umgang mit Alzheimer-Patienten appelliert. An manchen Stellen siegt eine leicht verstaendliche Sachlichkeit ueber einen aufregenden Erzaehlstil, den die Autorin zugunsten des Informationsgehaltes anfangs sparsam einsetzt.
das Ende ist beeindruckend. Die erwartete Dramatik wird von einer viel wirksameren Liebe ersetzt. Menschlich. Mutmachend.

Ein hinreissender Schrotthaendler . Arnold Stadler

Ein hinreissender Schrotthaendler . Arnold Stadler Schwer zu lesen.
Wirkt vertraut, wirkt fremd, wirkt infragestellend, wirkt kompliziert und doch so durchschaubar. Jeder hat sein Leben so im Griff und kommt denoch nicht aus den duemmlichen Mustern raus. Selbstbestimmendes Opfer.
Schwer zu lesend, aber lohnend anregend.

Samstag, 4. Juni 2011

Dackelblick . Frauke Scheuermann

Wer oder was ist denn das?Foto des Buches: "Wer oder was ist denn das?"
Unterhaltsam. Lustig. Zur Entspannung geeignet, wenn jemand nicht gerade an Liebeskummer leidet. Oder vielleicht auch dann gut, um Abstand zu gewinnen und manches nicht zu ernst zu nehmen.

Foto 2 zum Buch: "Na ich kann doch genauso lieb schauen, oder?"

Aber das Buch ist auch analytisch, was die menschliche Psyche in Hinsicht Liebesleben / -verhalten angeht. Ein-, zweimal kann ich dem hinterfragenden Spiegelvorhalten und dem Wundern ueber unsere Menschenart nur zustimmen. Manchmal find ich es ein wenig platt. Dann wirkt es belehrend wollend - wie eine Art moderne Fabel. Doch insgesamt hat es Spass gemacht diesen Dackelblick zu folgen.

Sonntag, 29. Mai 2011

Wir haben gar kein Auto ... Jutta Speidel und Bruno Maccallini

Foto des Tages: Lesestunde auf sonniger Terasse by Jana Blavius.Foto des Tages: "Lesestunde auf sonniger Terasse" by Jana Blavius.

Neugierig beginne ich das Buch ueber die Radtour der zwei, zwar nicht mir, aber Fernsehguckern bekannten Schauspieler. Ueberrascht bin ich, als ich bemerke, dass die beiden Erzaehler ganz ihrer unterschiedlichen Natur und verschiedenen Nationalitaet folgend, das Buch in solche eigenen Abschnitte eingeteilt haben. Nach einer kurzen Beschreibung des Weges, kommt erst Jutta Speidel und dann Bruno Maccallini jeweils zu Wort, um die Erlebnisse des einzelnen Tages zu beschreiben.

Dieses ungewoehnliche Konzept macht mir das Buch irgendwie unsympathisch. Zu deutsch kommt die organsierende Deutsche, zu italienisch der weltmaennische Italiener rueber. Keinem fuehle ich mich verbunden. Ein bisschen interessanter finde ich das ueber Kultur und Leben sinnierende Gemuet des Langsamen.

Gedanken wie "Muss sie so zielstrebig forsch sein?" oder "Diese Macho-Aktion haette er sich sparen koennen!" begleiten mich ueber die ersten Seiten. Als ich die Frauen-Seite-Schilderung des ersten Tages gelesen habe und mich nun der Mannes-Seite widmen soll, bin ich fast geneigt, das Buch zur Seite zu legen. Muss ich mir jetzt immer zweimal anhoeren, wie der Tag verlief? ...
Naja ein wenig neugierig bin ich dann doch, wie der Herr der Tour die erste Etappe empfand. Und siehe da, in seiner Beschreibung ging es nicht um Kilometer, Ortsnamen und Tourfakten gespickt mit einigen persoenlichen Empfindungen. Er schweift hinein ins Land und nimmt das als Anlass in seine Gedanken, in Kultur und Geist einzutauchen. Nicht immer sympatisch und doch wunderbar ergaenzend schreibt er ueber die Erlebnisse an der Strecke. ... Und ehe ich mich versehe habe ich schon zwei Drittel des Buches gelesen.


Nach und nach wird mir bewusst, dass die beiden es genau richtig gemacht haben. In wunderbarer Weise ergaenzen sie sich - im Leben (so sie sie mir den Einblick ins Persoenliche erlauben) und im Buch. Ein Part koennte nicht ohne den anderen sein.

Die Organisatorische sorgt fuer den reibungslosen Ablauf der Touren, sorgt fuer das Ueberleben und ... - irgendwie suche ich nach einer positiven Formulierung, die dieser Seite gerechter wird, die auch das liebevolle, romatische der Frau zu Ausdruck bringt. Doch leider gelingt es mir nicht, das in ein passendes Eigenschaftswort zu fassen. Also lasse ich das offen. Das soll jeder durch das Lesen des Buches selbst erkunden.

Der Theatralist sorgt fuer Unterhaltung und Reibung. Amuesant laesst er mich an seiner Sicht auf das Sture und Stolzsein in beiden teilhaben. Offenbart menschliche Unzulaenlichkeiten auf sympatische Art.

Einer waere ohne den Anderen langweilig. Ohne das Organisatorische waere das Buch kein informatives Werk. Ohne die vertraeumten Seiten waere es nur ein weiterer Reisefuehrer. Zusammen sorgen sie fuer Unterhaltung und Information, die den Reiz ausmachen. Im Buch wie im Leben. Erst die Mischung beider ergibt das Ganze.

Es ist toll zu erles(b)en, wie sich kraftvoll-zickge und langsame-sture Blitzes-Energie verschiedner Geschlechter, verschiedener Kulturen und Gemueter vereinen und abseits von Vorurteilen und Gewohnheiten ihre eigene Harmonie erschaffen koennen.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Ruhm – Ein Roman in neun Geschichten . Daniel Kehlmann

Foto des Tages: "Schreibtisch-Buch - forever" by Jana Blavius

Ein angenehmer Schreibstil laesst mich gleich bei der ersten Geschichte mitfiebern. Natuerlich glaube ich dem Helden. Ich weiss ja, wie da Draussen gearbeitet wird. .... Nicht bei mir. Grins. Ich gehoere nicht zu den Schluderjahnen und Aufschiebern. Ich bin eher eine der gewissenhaften, flotten Sorte, die dennoch nicht zum Kruemelkacker werden. Soweit mein Eigenbild. Grins.

Aber zurueck zum Buch.
Voller Humor erzaehlt Daniel Kehlmann seine scheinbar unabhaengigen Geschichteueber kommunizieren per Technik. Anfangs glaube ich, noch alles im Blick zu haben. Nach und nach wird es komplizierter. Nach und nach erkenne ich Verknuepfungen. Nach und nach ... bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Dann frage ich mich, hatte ich diesen Namen nicht schon eher in einem anderen Teil des Buches gelesen? Ist mir diese person nicht schon einmal begegnet? Und ab und zu beschleicht mich das Gefuehl, dass die Logik nicht einer nachvollziehbaren Realitaet folgt. Der Plan ist wirr. Wer gehoert wohin? Wer trifft wen, wer kennt wen, wo liegen Ursachen, wo Wirkungen? Alles keine Fragen, die im Buch gestellt werden, sondern mir in den Sinn kommen, um Ordnung, Sinn und einen Ueberblick in das Geschichtengeflecht zu bekommen.

Irgendwann kommen mir eigene Idee, wohin mich der Auto fuehren will. Doch immer wieder ueberrascht er mich mit neuen Geschichten, seiner eigenen Unlogik folgend.

Auch am Ende:
Eigentlich haette er sterben muessen, denn dann gaebe es keinen Schreibenden mehr und logischerweise muesste das Buch dann enden. Aber wieder einmal wartet Daniel Kehlmann mit einer anderen Idee auf. Mit einem unerwartetem Ende. Mit einem unspektakulaeren Aufhoeren. Einfach so. Verwobenes loest sich in Luft auf. Komplex erdachte Geschichten sind ploetzlich einfach zu Ende.

Wunderbar konstruiert und unterhaltsam.

Kritische Stimme zum Buch:
"Sudoku ist kein Roman" von Lothar Müller,16.01.2009
http://www.sueddeutsche.de/kultur/daniel-kehlmanns-neues-buch-ruhm-sudoku-ist-kein-roman-1.478263

Mittwoch, 27. April 2011

Die Entbehrlichen: Roman . Ninni Holmqvist

Foto des Tages: "Die Entbehrlichen . Treppe in die Freiheit" by Jana Blavius
Uebersetzung: Angelika Gundlach

Wow, wow, wow und wow. Das ist ein umwerfendes Buch. Traurig. Wuetendmachend. Entsetzlich. Unmenschlisch. Wichtig. Aufruettelnd. Nachdenklich-Stimmend.
Ein Happy-End-fuerchtend.
Erstaunt ueber das Ende. Unerwartet. Doch eigentlich logisch gesehen, die beste Loesung. Das Beste daran ist, dass es eine Art der Freiheit ist. Freiheit der Eigenbestimmung, die den Figuren im Roman genommen wurde. Zwar duerfen sie sich frei bewegen, ihr Leben in vielen Dingen selbst bestimmen. Doch ist es nur eine Selbstbestimmung nach Schein. Denn ueber das wichtigste duerfen sie nicht verfuegen: ihr Leben.

Manch einer wird zwar sagen, so etwas kann ich Deutschland nie passieren. Doch angesichts der momentanen Reaktionen in Politik und Volk auf die Schwierigkeiten in Fukushima, weiss man nie wie schnell die Minderheiten-Meinungen ploetzlich gut sind, um ein Land zu regieren. Meine Skepsis sagt mir, dieses Szenario ist zwar nur eine Geschichte, ein gut geschriebener Ehtik-Thriller. Doch ich habe kein Vertrauen darin, dass es nicht moeglich waere, dass Menschen so sein koennen.

Unbedingt lesenswert ... Meiner Meinung nach ein Klassiker wie Orwells 1984.

Mein Iran: Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung . Shirin Ebadi

Foto by Jana Blavius


Dieses sehr beeindruckende Buch oeffnet mich ein weiteres Mal fuer die Fremdheit anderer Kulturen. Wenn ich auch mehr und mehr, ehrlich zugeben muss, dass viele Eigenheiten nicht meinem Lebensstil entsprechen, und ich niemals so leben wollte, so sehe ich doch, dass jeder in seiner Kultur verwurzelt ist und sich am liebesten in vertrauter Umgebung und Lebensumfeld entfalten moechte. Ansprueche, Vorstellungen, Wuensche und Selbstverstaendlichkeiten sind nun mal kulturell bedingt. Auch Menschen, die gerne Reisen, Rausgehen, sich Umschauen und offen sind, bleiben doch ein soziales Mitgleid ihrer Gesellschaft. Wer da rausgerissen wird, faengt neu an zu suchen, muss erneut einen Platz, ein Daseinsberechtigsein finden. Nicht immer ist das einfach. Und nicht immer erfolgreich.

Das Buch "Mein Iran" hat mir geholfen, die Denkweise muslemischer Frauen im Iran besser zu verstehen. Ausserdem faellt es mir nun ein wenig leichter zu sagen, bloss gut, dass ich in Deutschland gebren bin und lebe. Was natuerlich nicht heisst, dass ich meinen kritischen Widerspruchsgeist aufgegeben habe. Nach diesem Buch erst recht nicht.

Sonntag, 24. April 2011

Die profanen Sunden des Glücks . Renate Feyl

Foto des Tages: Ostern mit Zeit zum Lesen by Jana BlaviusFoto des Tages: "Ostern mit Zeit zum Lesen" by Jana Blavius


Alles an diesem Buch hat mich gereizt, als ich es in der Bahnhfsbuchhandlung liegen sah. Das dezente Blumendesign, das kleine Format und der angeneme Stoffbezug. Als ich in der Buchbeschreibung, dann las, dass sich der Roman um die erste deutsche Buchautorin ging, konnte ich gar nicht anders als das Buch spontan kaufen, obwohl ich erst die Buchhandlung in der Stadt mit drei anderen Buechern verlassen hatte.

Gleich zu Hause suchte ich nach einer Ausrede, um nicht putzen, backen oder schnattern zu muessen und zog mich rasch in meine Sofa-Ecke zurueck. Neugierig begann ich zu lesen.

Der Schreibstil gefaellt mir so gut, dass ich rasch mit Lesen vorankomme. Renate Feyl schafft es, mich innerhalb kuerztester Zeit mit der Hauptdarstellerin Sophie La Roche vertraut zu machen. Mit nur wenigen Worten beschreibt sie die angenehme Lebenssituation der Schriftstellerin und deutet gleichzeitig an, dass es sich nur um einen kurzen Moment des Gluecks handelt. Natuerlich will ich wissen, wie es weiter geht. Wann, wodurch und warum wird die Gluecksstraehne der ersten deutschen Autorin gebrochen? Zwar handelt es sich bei dem Buch "Die profanen Stunden des Glücks" um einen Roman und nicht um eine Autobiographie, aber dennoch hat Renate Feyl es sehr autobiographisch geschrieben und den Zeitgeist des 18. Jahrhunderts hervorragend zu beschreiben verstanden. Ihr Buch ist ein wunderbares Portrait der Zeit der Aufklaerung und eine einfuehlsame Beschreibung wie sich eine selbstbewusste Frau in der damaligen Zeit gefuehlt, wie sie gelebt haben koennte.

Ein unterhalsames Buch, in dem ich mich wiederfinde und dass mir einiges ueber unsere Geschichte und die Frauen erzaehlt hat. Es macht mich neugierig auf mehr, neugierig auf die von Sophie La Roche geschrieben Buecher.

AMERICANA – Mit dem Rad einmal um die USA . Dirk Rohrbach

Foto des Tages: Foto des Tages: "Oster-Buch ;-)" by Jana Blavius

Schnell, unterhaltsam, ganz die Erfahrungen und Eindruecke aus unserer Amerika-Zeit bestaetigend.

Neben den informativen Fakten zu Geschichte, lokalen Begebenheiten und erwaehnenswerten Orten gefaellt mir an diesem Buch vor allem, dass Dirk Rohrbach es geschickt versteht, dass seine einmaligen Begegnungen mit den "normalen" Amerikanern nicht in den Hintergrund geraten, sondern ein wichtiger Teil des Buches, seiner Erfahrungsberichte sind. So entsteht ein interessantes Profil Amerikas gemessen an der Mentalitaet, Eigenheit und Gastfreundschaft der USA. Viel zu schnell blieb von den Seiten nichts mehr uebrig. Nichts als Bestaetigung eigener Gedanken und der Wunsch, wieder mal intensist zu Reisen.

Ich habe alles gelebt . Peggy Guggenheim

Foto des Tages: Buch-Foto ... by Jana BlaviusFoto des Tages: "Buch-Foto ..." by Jana Blavius

Leider schon viel zu lange schleppe ich mich durch das autobiographische Buch der Peggy Guggenheim. Da auch sie Sammlerin der Modernen Kunst war, erhoffte ich mir ein Werk voller spannender Erlebnisse mit den Kuenstlern der Moderne. Stattdessen plaetschert es seicht dahin, erzaehlt selbstverliebt von Dingen wie, den Sommer verbrachten wir in den Bergen und im Herbst furht ich nach Venedig. Keine Ahnung, ob es wirklich Herbst war. Es spielt auch keine Rolle.

Anfangs dachte ich, dass sich jede Persoenlichkeit nach und nach entwickelt und sicher irgendwann aufregendere beschreibung der Begegnungen mit dem Menschen ihrer Zeit beginnen. Doch nun habe ich "bereits" ein Drittel des Buches gelesen und bin immer noch enttaeuscht.

Staendig dreht es sich nur darum, wann sie wo war. Natuerlich auch, wen sie getroffen hat. Doch seltenst schreibt sie ausfuehrlich ueber die am Rande erwaehnten Gespraeche mit den Groessen der Zeit. Verschwenderisch mit Zeit und und Geld schwebt diese Dame durch ihr Leben und erfreut sich ihrer Problemchen.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Der Fluß . Ketil Bjørnstad

Foto des Tages: Buechersessel ... by Jana BlaviusFoto des Tages: "Buechersessel ..." by Jana Blavius

Tragisch . Schade . So viel Trauer, Sehnsucht ... Leben.
Und wieder schlaegt es zu. Erst kann ich nicht genug bekommen, nicht schnell genug fertig werden und dann bin ich traurig, dass es so schnell zu Ende ist. Vor allem, wenn es sich um solch intensive Geschichten handelt.

In keinster Weise will ich auch nur das kleinste Fuenkchen von diesem tollen Menschenportrait-Roman verraten. Dafuer ist er einfach zu gut, zu intensiv, zu ... mir fallen keine Worte dafuer ein. Das sollte jeder einfach selbst lesen und fuer sich erleben.

Am Liebsten wuerde ich mir gleich das naechste Buch von Ketil Bjørnstad kaufen. Mir hatte bereits sein Buch "Oda" so gut gefallen, weil er Kuenstlerpersoenlichkeiten so einfuehlsam und intensiv beschreibt. Doch ich moechte nicht unbedingt auf Buecher zureuckgreifen, die er vor "Oda" und "Der Fluß" geschrieben hat. Vielleicht sollte ich einfach mehr ueber den Autoren selbst in Erfahrung bringen. Kennenlernen, wer hinter solch aussagekraeftigen Portraits tief-fuehlendender Menschen steckt. Was hat dieser Mensch selbst durchlebt, um so detailliert ueber das Leben eines Musikers schreiben zu koennen.

Und siehe da. Bereits die ersten Suchergebnisse bei Google bringen Licht ins Dunkel. Ketil Bjørnstad ist selbst Musiker. Spielt ebenfalls Klavier. So draengt sich mir die Frage auf, hat er selbst solche Tragodien durchleben muessen? Hat er die Reife, die er seinem achtzehnjaehrigem Helden verschreibt, selbst erlebt, empfunden, in seinem Innersten verschliessen muessen? ... Und nun verfasst er einfuehlsam Romane, die uns am Fuehlen eines Kuenstlers teilhaben lassen. Das kann man ja eigentlich nur, wenn man ueber den Dingen steht, sie durchschaut, sie plant, ein story book hat. Aeusserst interessant ... und absolut empfehlenswert.

Sonntag, 21. November 2010

Where rainbows end . Cecilia Ahern

Foto des Tages: "Fertig. Nun kann das Buch von Cecilia Ahern ins Gelesen-Regal wandern ..." by Jana Blavius

Es ist schoen, sonntags sich in die Lieblingsdecke seiner Schwester einkuscheln zu koennen, vom caring husband mit Pfefferminztee verwoehnt zu werden und sich ganz und gar einem stimmungsvollem Beziehungs- und Liebesroman widmen zu koennen, waehrend es Draussen weder hell noch Tag wird.

Genauso aussichtslos sieht es manchmal im meinem Buch aus. Es ist ein Roman von Cecilia Ahern, der bestseller Autorin von "P.S. I love You". Er heisst "Where rainbows end". Heutzutage sind wir es ja schon von vielen Buechern und Filmen gewoehnt, dass die Titel in Englisch verbleiben. Doch ich nenne den englischen Titel, weil ich es in Englisch lese. Deutsch heisst er "Fuer immer vielleicht".

Da mir die Buecher von Cecilia Ahern aber mehr der romantischen Unterhaltung zwischen Arbeit-, Haus- und Denkstress dienen, ist es interessanter, die Originalfassung zu lesen. So uebe ich auch gleich mal wieder ein wenig Englisch. Ich merke naemlich, dass ich schon langsam faul werde, wenn ich englische Texte lesen soll.

Aber zurueck zum Buch.
Ich mag die Hauptfiguren. Deren Charaktere kommen voll zum Zuge, auch wenn sie es oft - eigentlich bis zum Ende - nicht leicht haben. Die daran beteiligten Boesewichte kommen nur selten zur Selbstdarstellung, doch wenn, dann hat es seine Wirkung. Ueber Jahre begleite ich Rosie und ihre Family plus Freunde. Fiebere mit ihr, vorallem wenn ihr bester Freund auftritt. Nach und nach kommt es mir so vor als ob ich alle schon seit Jahren kenne. Als ob gleich ein email eintruddelt und Rosie mir wieder einmal ihr Herz ausschuettet. Als ob sie mich um Rat fragen will. Aber den Rat braucht sie eigentlich nicht, denn von Begin hat sie ihren eigenen Kopf und kaempft sich durch. Als Teenager braucht sie dafuer zwar noch eine starke Unterstuezung von seitens der Eltern. Doch spaeter rappelt sie sich immer wieder von selbst auf.

Es ist schon erstaunlich, was fuer verschlungene Pfade die Lebenslinien der einzelnen Charaktere gehen muessen, um ...
Naja ich verrate nichts. Ausser - Happy End, wie es sich fuer ein Unterhalter fuers Herz gehoert.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Das verlorene Symbol . Dan Brown

Foto des Tages: Schluessel, Notizen, Symbole ... by Jana BlaviusFoto des Tages: "Schluessel, Notizen, Symbole ..." by Jana Blavius

Spannend.
Rasend durchgelesen.
Interessant.
Und theatralisch-nerviges Ende.

Zum ersten Mal in einem Buch habe ich entdeckt, dass der Autor die Luege so benutzt, dass er den Lesenden bewusst verwirrt. Das in Buechern gelogen wird, ist ja nicht neu. Doch dass dem Leser Dinge erzaehlt werden - keiner Figur im Roman -, die definitiv falsch sind, dass ist mir so noch nie bewusst geworden.
Ich rede da von der Geschichte, die uns der Taeter auftischt, damit sein Motiv verborgen bleibt. Naja, ich will nicht zu viel verraten. Denn spannend bleibt es nur, wenn man nicht weiss, was das Motiv bzw. wer der Taeter ist.

Die Begeisterung des Autoren am Ende fuer die Eleganz der zusammenpassenden Elemente in Washington D.C. kann ich ja vielleicht noch teilen. Doch seinen Exkurs in die religiose Anbetung der Bibel empfinde ich als unnoetige Missionarisierung. Er wirkt ausserdem so drangehangen, dass ich das Gefuehl nicht loswerde, er musste noch ein paar Seiten schreiben, um die Auflagen des Verlages zu erfuellen.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

A Walk Across America . Peter Jenkins

Buch A Walk Across America, (c) by JanaFoto des Tages: "A Walk ... on my table ..." by Jana Blavius

Ich glaube das Buch 'A Walk Across America' schleppe ich ich nun schon Monate mit mir rum. Nein, nun nicht mehr. Ich habe es ausgelesen.

Peter Jenkins nimmt uns in seinem Buch mit auf seine Reise durch das Amerika der 60er Jahre. Dabei fluechtet er aus der Geborgenheit eines sicheren Zuhauses mit vorgezeichnetem Weg. Meist sucht er eher die Abgeschiedenheit, und wandert durch verlassene Gegenden, um herauszufinden, was er eigentlich mit seinem Leben anfangen moechte. Auf seinem Trip trifft er immer wieder auf Menschen, die nicht in das von ihm erlebte Bild der Oberflaechlichkeit passen. Egal ob er unterwegs war oder zeitweise fuer einen Job sesshaft wurde, die ihn begegnende Menschlichkeit beeindruckt ihn. Langsam gewinnt er wieder Hoffnung, sein Land ist nicht dem Untergang geweiht.

Wobei ich der Meinung bin, dass das nichts mit einem bestimmten Land, sondern eher mit der Zeit und der Art des Menschen zu tun hat.

Manchmal musste ich mir direkt bewusst machen, dass dieser Trip schon in den 60er Jahren stattfand. Fuer mich koennten all diese Begegnungen noch heute stattfinden. Vieles koennte er auch in heutiger Zeit noch erleben.
Nur eins ist wohl typisch fuer Amerikaner. Das pathetische Ende: Happy End mit religoesem Selbstfinde-Epos.

Dienstag, 6. April 2010

Das fliehende Pferd . Martin Walser

Foto des Tages: "Buecherstapel ..." by Jana Blavius

Das gefaellt mir. Solche Gefuehle kann ich absolut nachempfinden. Mal sehen wie es weiter geht.


Das Buch wurde zwar bereits 1977 geschrieben, ist aber Meinung nach immer noch aktuell. Besonders lustig ist es, wenn ich irgendwann feststellen muss, auch nur ein gewoehnlicher Kleinbuerger zu sein. Ist echt komisch.

Montag, 5. April 2010

Ein liebender Mann . Martin Walser

Foto des Tages: "Walser obenauf ..." by Jana Blavius

Anstrengend - anstrengend wie Goethe, anstrengend wie Walser, aber irgendwie gut.

Nach dieser, meiner globalen Einschaetzung des Buches, krame ich das Buch selbst noch einmal raus, damit ich meine Randbemerkungen waehrend des Lesens abschreiben / verarbeiten kann.

Zum Beispiel frage ich mich, ob Walser Goethes eigene Worte hier peotisch und fuer seinen Sinn passend (um)formuliert, einfliessen laesst. Oder ob er selbst diese Worte erfindet.
An einer Stelle schreibt er als Goethe: "Notiert hast Du einmal naseweis und unerfahren: Niemand ist zur Zeit in mich verliebt, ich bin in niemanden verliebt, nur der Tod steht in der Ecke."
Hat das Goethe wrklich mal geschrieben, oder st das eine Schoepfung von Walser?
Sollten diese Worte das Werk von Walser sein, was ich sehr stark ermute, dann kann ich nur sagen, sich so dem Helden, dem fuer viele unnahbarem Goethe, nah zu fuehlen, den Mut zu haben, ihm Worte, Gedanken, eine kleine Geschichte ins Leben zu legen, bedarf einer gewissen eigenen Groesse. Oder ist es das Zwillingsalter?
Zu sehr erwarte ich autobiographisches, da es um den hoheitsvollen Goethe geht. Dabei ist es einfach eine Geschichte mit wahrem Ansatz. Ein Roman und ich sollte das alles nicht so ernst, als historischen Beitrag sehen. Es ist Unterhaltung und wahrscheinlich fuer Walser eine Art der Auseinandersetzung mit seinem Leben. Also entspanne, geniessen, lache!

... spaeter im Buch ...

Es ist angenehm, wie Martin Wasler uns Goethe als Menschen nahebringt und gleichzeitig zeigt, dass dieser schreibend das aus seinem Alltag veraebeitete, was ihn am meisten beschaeftigte, das die intensivsten Emotionen hervorrief - und hier, und immer wieder ist es die Liebe.

Ein wenig irritiert bin ich, als der Autor (war es das erste Mal?) seinen eigenen Titel als Stueck im Buch auftauchen laesst und dabei einen sarkastischen Ton anschlaegt. Meiner Meinung nach passt dieser Abschnitt* ueberhaupt nicht dort hin.

*Zitat S.154 in der Ausgabe des Rowohlt Taschenbuch Verlages:
"Ein liebender Mann
Die Frauen sind das Geschlecht der Sachlichkeit. Ein Mann erlebt alles nur als Stimmung.Als seine Stimmung. Die Frau erlebt immer die Sache. ..."
Hab ich echt Lust, weiterzulesen? Mit solch einer Schreibserei will ich eigentlich nicht meinen Tag verlieren.

Dennoch kaempfe ich weiter. Vielleicht beginne ich, dass was ich eigentlich nie mache und selten kann: Ich lese oberflaechlicher. Ich nehme nicht alles so woertlich. Ich versuche nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.

Trotzdem frage ich mich beim Lesen immer wieder in welchem Verhaeltnis das Geschriebene zu den Orginaltexten steht. Zitiert Ulrike von Levetzow in ihrem Brief an Goethe nach dem Spaziergang zur Diana-Huette den echten Werther-Text? Oder erfindet Walser eine neue Form fuer sich? ... Ich kenne einfach zu wenig die Klassiker.

Die Marienbader Elegie kann ich im Internet ganz schnell finden. Und siehe da es ist der Originatext. Walser scheint nur die ersten beiden Zeilen weggelassen zu haben.

Mit Hilfe der Originaltexte erzeugt Walser seine Stimmungen. Frech benutzt er die Ausdruckskraft anderer Kuenstler. ...
Ich fuehle mich da nicht immer angesprochen. Seine Welt bleibt mir fremd, zu viel Drama. ... eben Goethe. Eben Walser.

Am Ende stimme ich aufatmend der Erloesung zu. Denke: Na endlich. Dieses gefuehl der Bedraengnis hat man ja kaum noch ausgehalten. Endlich wieder ein aufatmen.

Letzte Nachricht
Hier bringt er den eigentlichen Sinn des ganzen wunderbar auf den Punkt:
Die Macht der gesellschaftlichen Normen von Scheinheiligkeit ..., die einem dazu draengt, Wahrhaftigkeit im Innern zu verschliessen, um unverletzbar zu sein.

Links zum Thema:
- Marienbader Elegie bei Zeno.org
- Ein liebender Mann von Martin Walser bei Amazon.de kaufen
- Rezessionen ueber das Buch auf perlentaucher.de